Lyrik zum Jahreswechsel

Es ist schon erstaunlich, wie treffend Herr Ringelnatz bereits Anfang des letzten Jahrhunderts wiederzugeben verstand, was uns heute noch bewegt.

Der Floh

Herr Müller hatte einen Floh,
der stach Herrn Müller irgendwo.

Herr Müller dankte für die Ehre,
dann nahm er eine lange Schere

Und schnitt ihn in zwei gleiche Teile.
Jedoch, nach einer kurzen Weile,

Da wurden aus dem einen Floh
zwei neue Flöh‘ daraus. – Oho!

Da sprach der Eine von den beiden:
„Man muss nicht einen Floh zerschneiden“.

(Joachim Ringelnatz, 1910)

Frohes Neues Jahr !